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Frugal Engineering aus Indien

veröffentlicht um 10.12.2012, 10:36 von Unbekannter Nutzer   [ aktualisiert: 03.01.2013, 12:36 ]
Frugal Engineering Indien

Der deutsche Anlagen- und Maschinenbau ist weltweit mit hochwertigen technologischen Produkten vertreten. Viele Unternehmen können damit erfolgreich in oberen Preissegment weltweit, und auch in Schwellenländern Umsätze erwirtschaften.

Das Absatzmarkt wird sich voraussichtlich in der nächsten Dekade wesentlich in den niedrigen und mittleren Preissegmenten von Emerging Markets vergrößern. Demnach ist es zu empfehlen nachhaltige Produktlinien zu entwickeln, die den hohen Bedarf in den mittleren Marktsegmenten in Schwellenländern befriedigen.

Aus Indien kommt ein Engineering-Ansatz, der diesen Ansprüchen gerecht wird. Frugal Engineering bezeichnet das Entwickeln von einfachen und kostengünstigen Produkten, die bspw. 80% der Funktionalität eines hochwertigen Qualitätsproduktes bei 50% iger Reduzierung der Investitionskosten ermöglichen. 

Westliche Unternehmen versuchen oft entwickelte Technologieprodukte für Schwellenländer „downzugraden“. Die hohe Kostenbasis eines westlichen Produktes bleibt dabei allerdings weitgehend bestehen. Besser ist es natürlich die Produktentwicklung in Indien selbst durchzuführen. Einige Unternehmen bieten hier mittlerweile qualifizierte Frugal Engineering Dienstleistungen an.

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Erfolgsgeschichten im Bereich von lokal adaptieren Produkten, um den Markteintritt in Indien zu optimieren. Ein aktuelles Beispiel, dass im Rahmen eines Markteinstiegprojektes der AW Solution GmbH in Indien aus dem dt. Maschinenbau entstand, ist folgendes:

Aufgrund der weltweiten Überkapazitäten in der Solarmodulproduktion, ist der Investitionsgütermarkt in Indien in diesem Segment stark rückläufig. Die Unternehmen scheuen sich vor Neuinvestitionen in automatisierte Turnkey-Anlagen. Der Markt bietet zu dieser Zeit zwei Lösungskonzepte für das Verstringen der einzelnen Solarzellen:

Manuelles Verlöten (60% des indischen Marktes)

  • Vorteile des Kunden: keine großen Investitionskosten in Maschinen, hohe Flexibilität der Produktion
  • Nachteil des Kunden: Qualitätsschwankungen, Endprodukt ist nicht für den Export qualifiziert, nur kleine Produktionsvolumen

Vollautomatisches Verlöten (40% des indischen Marktes)

  • Vorteile des Kunden: Qualitätsprodukt, Export, hohe Produktionsvolumen
  • Nachteile des Kunden: hohe Investitionskosten bei unsicherer Marktentwicklung, Technologieabhängigkeit (geschultes indisches Personal, sichere Stromversorgung), hohe Betriebskosten

Nach einer Analyse der Marktanforderungen und Kundenbedürfnisse in Indien wurde ein neues Maschinenkonzept entworfen. Der semiautomatische Tabber/Stringer vereint die Vorteile des manuellen und vollautomatischen Verlötens bei 35% der Kosten eines Vollautomaten. Komplexe Prozessschritte werden mechanisch geführt, aber nicht komplett automatisiert.

Neues Konzept: Semiautomatisches Verfahren

  • Vorteile des Kunden: nur 35% der Investitionskosten im Vergleich zu Vollautomaten, kein hochqualifiziertes Personal notwendig, einfache Wartung und Handhabung, konstante Qualität, Export des Endproduktes möglich, hohe Flexibilität der Produktion
  • Nachteile: mehr Personal bei geringerer Qualifikation, geringe Qualitätsabstriche

Der Designansatz lautet hierbei: Die maximale Leistungsfähigkeit des Produktes ist sekundär, im Vordergrund stehen die Erfordernisse des indischen Marktes und die Absetzbarkeit des Produktes im indischen Kontext. Es macht oft wenig Sinn ausgereifte High-End-Produkte mit weniger Features auszustatten und billiger anzubieten. Die Bedürfnisse der Kunden in Indien und anderen Emerging Marktes sind denen der entwickelten Märkte grundlegend verschieden und erfordern einfache, angemessene und zuverlässige Produkte. Wir freuen uns, unsere Erfahrungen im Bereich Frugal Engineering mit Ihnen im Detail zu teilen.